Wo Karl Bär Lakritze kochte, wird gebaut und saniert

Nach ihm ist der Bärendreck benannt: Wo Konditor Karl Bär ab 1913 jahrzehntelang klebrige Lakritze produziert hat, war gestern Richtfest für die ersten 40 Wohnungen.


11.07.2012 - Nach ihm ist der Bärendreck benannt: Wo Konditor Karl Bär ab 1913 jahrzehntelang klebrige Lakritze produziert hat, war gestern Richtfest für die ersten 40 Wohnungen.

Alles verkauft. Die Geschäfte des Fürther Immobilienentwicklers P&P gehen prima. Niedrige Bauzinsen und der anhaltende Trend zum Betongold lassen auch Eigentumswohnungen direkt an der vielbefahrenen Rothenburger Straße weggehen wie die warmen Semmeln. Selbst der zweite Bauabschnitt des Zuckerbär-Areals in St. Leonhard ist schon zu 80 Prozent vergeben.
Insgesamt sind in dem Entwurf des Nürnberger Architekturbüros Hübsch und Ramsauer 93 Einheiten vorgesehen. Der letzte Abschnitt der dreiteiligen Anlage, die sich um einen kleinen Westentaschen-Park gruppiert, soll Ende 2014 bezogen werden.

Nur 655.000 Euro hat das Unternehmen P&P bei der Zwangsversteigerung für die 6.500 Quadratmeter große Fläche hinlegen müssen. Die Kröte allerdings, die beim Kauf des Areals zu schlucken war, ist die alte Direktorenvilla auf dem Zuckerbär-Areal, über die der Denkmalschutz wacht. 1,7 Millionen Euro wird die Sanierung des ruinierten Hauses vermutlich verschlingen, das Ende des 19. Jahrhunderts errichtet worden ist.

Rohe Ziegelwände, fehlende Fensterrahmen, verrottete Balkone: Zurzeit versuchen die Restauratorinnen Erika Simon und Stephanie Löw zu retten, was zu retten ist. Verkohlte Balken, verbrannte Stuckdecken und Treppengeländer zeugten von fast 40 Jahren, in denen das ansehnliche Klinkergebäude leer stand und viele ungebetene Gäste hatte.

Konditor Karl Bär hatte die Lakritz- und Lebkuchen-Produktion 1974 eingestellt und sich zurückgezogen. „Heftiger Vandalismus“, so Erika Simon, habe der Villa schwer zugesetzt. Fehlgeschlagene Renovierungsversuche erledigten den Rest. Jetzt soll vor allem die Prachtseite zur Holzschuherstraße hin sorgsam rekonstruiert werden. Der Außenputz ist bereits abgeschlagen, im heruntergekommenen Flur lehnt eine Tafel mit einem dekorativen Blütenflor, den die Expertinnen aus kläglichen Überresten mühsam rekonstruiert haben und von Hand wieder aufmalen werden.

Auch für die Zuckerbär-Villa hat der Fürther Immobilienspezialist schon einen Interessenten gefunden; wohnen wird im 480 Quadratmeter großen Haus freilich niemand mehr. Die herrschaftlichen Räume werden zu schicken Büros.
Ex-Heumann-Gelände, ehemaliges Straßenbahndepot in Muggenhof, eine alte Mühle an der Silberstraße, das ehemalige Hauptzollamt und die Bebauung des Nordbahnhofs, das sind nur einige der Objekte, die P&P derzeit in Arbeit hat. In 820 Wohnungen investieren die Fürther 160 Millionen Euro.

CLAUDINE STAUBER, Nürnberger Nachrichten (Artikel vom 11.07.2012)

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