Immobilien gehen weg wie warme Semmeln

Fachleute sprechen von einer „neuen Flucht in Sachwerte“ - Grundstücke sind in Fürth bereits Mangelware.


10.06.2010 - Erst mussten Industrieunter­nehmen gerettet werden, dann Banken, inzwischen ganze Staaten. Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise greift um sich, und sie schürt Zukunftsängste. Um der gefürchteten Geldabwertung und den Machenschaften von Börsenspekulanten zu entgehen, legen viele Men­schen ihr Geld in Immobilien an. Auch in Fürth boomt das Geschäft mit Grundstücken, Häusern und Wohnungen.

FÜRTH — Anruf bei der Fürther Sparkasse. Im locken­den Warteschleifen-Singsang schlägt eine Frauenstimme vor, man möge mit der Ries­ter-Rente fürs Alter vorsor­gen. Bei vielen Anrufern dürfte das in ein Ohr rein­ und zum andern wieder raus­gehen. Sie wollen handfeste Werte.
2009, sagt Vorstandsvorsit­zender Hans Wölfel, sei seit Jahrzehnten „das beste Jahr“ im Vermittlungsgeschäft gewesen. 200 Objekte habe die Immobilienabteilung an den Mann gebracht. Das neue Jahr lässt sich noch vielver­sprechender an. Verglichen mit 2009 registriert Wölfel in den ersten fünf Monaten eine Steigerung um 20 Prozent, hochgerechnet aufs Jahr wären das 250 Vermittlungen. Allein in Egersdorf-Nord, dem großen Neu­baugebiet am Rand von Cadolzburg, habe man 130 Grundstücke in nur zwei Jahren verkauft — der Hälfte der kalkulierten Zeitspanne.
Oft haben es die Vermittler mit rei­nen Kapitalanlegern zu tun, oft und gerade in Siedlungen wie Egersdorf-Nord aber auch mit Familien, die das Eigenheim einem Mietverhältnis vor­ziehen. Dabei fällt auf, so Wölfel, „dass viele Eigenmittel eingesetzt wer­den“. Soll heißen: „Die jungen Leute nehmen ihr Kapital lieber und ste­cken alles ins neue Haus statt einen Teil irgendwo rumliegen zu lassen.“ Und das trotz historisch niedriger Zin­sen. Für Baudarlehen verlangten die Banken derzeit nur 3 bis 3,5 Prozent.
Auch Jürgen Eschbach, Vertriebslei­ter bei der Fürther Firma P&P, die sich auf Denkmal- und Altbausanie­rungen spezialisiert hat, beobachtet, dass die Kunden ihr Geld umschich­ten. „Die Leute gehen weg von der Bank, rein in die Immobilie. Wir haben zunehmend Barzahler, die ohne Fremdfinanzierung auskommen.“ 500 Wohnungen verkaufe P&P im Jahr, sagt Eschbach. Das Geschäft habe „mächtig angezogen, vor allem die Wohnungen mit Sanierungs- und Denkmalschutzabschreibung gehen weg wie warme Weggla“. Bei der neuen „Flucht in Sachwerte“, so Spar­kassenchef Wölfel, zeichneten sich Entwicklungen ab, die „vor zwei, drei Jahren undenkbar“ gewesen wären. Ein Beispiel: „Plötzlich lassen sich auch vermietete Objekte veräußern.“ Vorbei sind auch die Zeiten von Preisnachlässen im ein- bis zweistelli­gen Prozentbereich. „Was für 118.000 Euro angeboten wird, wechselt für 118.000 Euro den Besitzer“, sagt die Fürther Immobilienmaklerin Gisela Munk. Die Nachfrage steigt, die Preise steigen, und schon ist manches Mangelware. Baugrundstücke im Für­ther Stadtgebiet? „Fehlanzeige“, sagt Wölfel, „gibt's nicht mehr.“ Auch Mehrfamilienhäuser sind rar. Die Sparkasse hat dafür Vormerklisten.
Bei einem Branchentreffen, berich­tet Gisela Munk, hätten ihre Nürnber­ger und Fürther Kollegen kürzlich übereinstimmend geklagt, dass es an Objekten fehle. Und die Lage auf dem Markt verschärft sich. In jüngster Zeit taten drei von Munks Verkäufern „etwas sehr Ungewöhnliches“: Sie machten einen Rückzieher, in einem Fall kurz vor dem Notartermin. „Was soll ich mit dem Geld“, habe der betreffende Eigentümer gesagt und erklärt, die Immobilie sei ihm jetzt doch lieber.

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