Beste Lage im Regnitztal lockt Investoren an

Investoren aus dem Großraum entdecken Forchheim auch 2012 als lohnendes Objekt.


15.01.2012 - Wenn Forchheimer über ihre eigene Stadt unken, dann verballhornen sie gerne das Motto im Logo der Kommune: „Fränkisch modern — mit altem Kern“ steht dort zu lesen. Zieht man das „o“ in die Länge, wird die angestrebte Bedeutung ins Gegenteil verkehrt. Falsch ist diese ständige Selbstbescheidung der Oberfranken: Zwar warten in der beschaulichen Altstadt noch viele Baudenkmäler darauf, saniert zu werden. Doch längst braucht sich die 31.000-Einwohner-Stadt nicht mehr vor Städten ähnlicher Größenordnung zu verstecken.

Der seit 1990 mit stabilen bis höchst komfortablen Mehrheiten gewählte Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU) hat die Stadt zu einem bedeutenden Wirtschaftszentrum geformt. Entscheidend für alle größeren Ansiedlungen — Siemens wird seinen Standort Forchheim bis 2013 erheblich aufwerten — ist die Nähe zum Ballungsraum Nürnberg und besonders zu Erlangen, nur zehn Autominuten entfernt. Doch hat die Kleinstadt in den vergangenen Jahren geschickt um jede Firma gebuhlt — auch wenn sie „nur“ zehn oder zwanzig Arbeitsplätze bot. So sind die Unternehmen inzwischen im Dutzend von Mittel- nach Oberfranken umgezogen.

Im Vergleich zu Kommunen wie Herzogenaurach oder Neumarkt ist die Stadt traditionell nicht reichlich mit Gewerbesteuereinnahmen gesegnet. Acht Millionen Euro waren für das Jahr 2011 schon ganz ordentlich. Durch Grundstücksverkäufe wurden trotzdem immer wieder Mittel für Großprojekte frei. So leistete sich Forchheim 2010 für 22 Millionen Euro das Königsbad als Ganzjahreseinrichtung, das sich nach vielen Anfangsproblemen freigeschwommen hat.

Im Stadtteil Reuth wurde im selben Jahr eine der modernsten Grundschulen Bayerns gebaut. Schließlich wurden 2011 alleine in Kindertagesstätten 4,6 Millionen Euro investiert. In Zeiten des Geburtenrückgangs keine Selbstverständlichkeit.

Für 2012 hat Stadtkämmerer Gerhard Haagen jedoch die Bremse angezogen: Mehr als fünf Millionen Euro fehlen im Haushalt. Alle Referate müssen sparen. Seit vielen Jahren wurden erstmals wieder Grund- und Gewerbesteuer erhöht. In seiner geographisch hervorragenden Lage im Regnitztal kann Forchheim indes wenig falsch machen. Investoren aus dem Großraum entdecken die Stadt auch 2012 als lohnendes Objekt.

So verwandelt der Fürther Bauträger P&P das ehemalige Krankenhaus in bester Innenstadtlage zum schicken Wohnquartier — und hätte die 48 Wohnungen nach eigener Aussage „dreimal“ verkaufen können. Der Erlanger Konkurrent Sontowksi baut auf dem ehemaligen Hallenbad-Areal Stadthäuser.

Die Diakonie Neuendettelsau errichtet gegenüber ein modernes Demenzzentrum. Dafür musste ein städtischer Kindergarten kurzerhand umziehen. Typisch für die mitunter hemdsärmlige Lokalpolitik. Und die Nürnberger Großbrauerei Tucher zaubert noch dieses Jahr aus der historischen „Alten Wache“ im Stadtzentrum ein „Bratwursthäusle“ nach Nürnberger Vorbild.

Da murrt der Forchheimer, weil kein heimisches Bier ausgeschenkt wird, aber es freut sich der Stadtrat, weil ihm ein Denkmal-Sorgenkind abgenommen wurde.

Über all dem steht politisch das Stadtoberhaupt Franz Stumpf, das zugleich über seiner Partei schwebt: Zu Wahlen lässt er regelmäßig die „Wählerinitiative Unabhängiger Oberbürgermeister“ als Liste auferstehen, eine Art „Stumpf-Wahlverein“. Auf diese Weise betont der 61-Jährige seine Unabhängigkeit von der CSU.

Das nächste große Projekt hat Stumpf fest im Visier: Vier Häuser am zentralen Paradeplatz hat die Stadt gekauft, um dort einem Würzburger Investor Raum für eine große Geschäftszeile zu bieten. Die Rewe-Handelskette wird hier ihr Konzept eines innerstädtischen Supermarktes umsetzen — erstmals in Bayern in einer Kleinstadt. Die Textilkette K+L Ruppert ist als Hauptmieter jedoch überraschend abgesprungen. Das wichtigste Innenstadt-Projekt stockt.

Hoch umstritten ist noch der Bau einer Stadthalle. In einer kuriosen Konstellation betreibt bisher der Sportverein Jahn Forchheim die einzige größere Veranstaltungshalle. Soll eine neue gebaut werden? Der OB schwankt noch — und mit ihm der Stadtrat.

Ein Großprojekt der Stadtwerke Forchheim wurde inzwischen leise beerdigt. Ein 50-Millionen-Euro Biomasseheizwerk mit Holz als Energieträger wird es nicht geben. Zu unsicher ist der Energiemarkt.

GEORG KÖRFGEN

Artikel herunterladen

Hier geht es zum Bereich P&P Investment

P&P Newsletter

Sie möchten regelmäßig über Neuigkeiten aus unserem Hause informiert werden?

Dann senden Sie und einfach Ihre E-Mail-Adresse zu und Sie erhalten unseren monatlichen Newsletter mit Informationen zu Veranstaltungen, neuen Bauprojekten und Unternehmensneuigkeiten.