Das Straßenbahndepot in Muggenhof wird neu belebt
Im Jahr 2003 rollte die letzte Straßenbahn aus dem Depot im Nürnberger Stadtteil Muggenhof. Seitdem wartet der große Gebäudekomplex auf seine Revitalisierung. Und die wird bald geschehen:
Während die neueren Hallen abgerissen und durch moderne Wohnhäuser ersetzt werden dürfen, entstehen aus den alten, denkmalgeschützten Bauten ganz besondere Wohnungen. Das imposante Hauptgebäude mit dem Uhrenturm und die historischen Werkstätten sollen zukünftig Wohnraum für mehr als 500 Menschen bieten.
Doch blicken wir zurück zu den Anfängen des Depots im Nürnberger Westen: Im Jahr 1881 erhielt Heinrich Alfes, ein Unternehmer aus Bremen, die Erlaubnis, eine Pferdebahn zu betreiben. Die Anfänge der heutigen Straßenbahn waren gemacht! Auch die Nürnberger zeigten sich vom neuen, schnellen Fortbewegungsmittel begeistert. Nach der Elektrifizierung ab 1896 wurde das Straßenbahnnetz in der Frankenmetropole rasch auf- und ausgebaut.
Zwischen 1881 und 1912 reichte das Hauptwerk an der Fürther Straße noch für Reparaturen und Wartungsarbeiten an den Straßenbahnen. Das änderte sich jedoch schnell: Immer mehr Bahnen flitzten über Nürnbergs Schienennetz. “Vorbeugende Instandsetzungen” der Trams wurden Pflicht – und das Hauptwerk dafür einfach zu klein. Platz musste her! Den gab es nur wenige Meter entfernt reichlich: Im Frühjahr 1912 wurde mit dem Bau eines neuen, modernen Straßenbahndepots an der Fuchsstraße begonnen. 2.166.812,69 Mark kosteten die neuen Gebäude, die bereits ein Jahr später fertig gestellt waren. Ab sofort wurde in Muggenhof geschreinert, lackiert, montiert, geschmiedet und gedreht. Natürlich war alles auf modernstem Stand: Es gab sogar Rolltore in der Lackiererei, da dort höhere Temperaturen erforderlich waren und der Rauch aus der Schmiede wurde einfach unterirdisch abgesaugt. Große Glasdächer sorgten für die nötige Beleuchtung. Zahlreiche weitere Werkstätten, darunter eine Schlosserei, elektromechanische Arbeitsplätze -ja sogar ein Straßenbahnmuseum mit Fahrscheinen, Uniformen und anderen Ausstellungsstücken- wurden untergebracht.
Während des Ersten Weltkriegs blieb in Nürnberg wenig Zeit, sich um die Instandhaltung von Straßenbahnen zu kümmern. Damit niemand entlassen werden musste, entschied man sich, für andere Unternehmen Arbeiten zu übernehmen – Kapazitäten gab es ja genügend! Nach der Währungsreform im Jahr 1923 ging es aber wieder aufwärts für das Muggenhofer Straßenbahndepot. Nur im Jahr 1945 musste das Werk wegen des Krieges kurz geschlossen werden. Man hat sich aber wieder berappelt: Zeitweise konnten bis zu 110 Waggons im Depot untergestellt werden. Der letzte Höhepunkt wurde im Jahr 1978 gefeiert, als die neue Kantine eingeweiht wurde. Danach ging es bergab: Bis zum Anfang der 1990er Jahre wurden Mitarbeiter abgebaut – man musste sparen. Als dann die U-Bahnwerkstatt Langwasser und 2001 die Schwerpunktwerkstatt Süd an der Katzwanger Straße eröffnet wurden, war das das Ende für das Muggenhofer Depot. Zwei Jahre später rollte der letzte Waggon aus den Hallen und die Werkstatttore wurden für immer geschlossen.
Danach wurde es still um das alte Straßenbahndepot. Wasser, das durch die rissigen Wände und Decken drang, hinterließ seine Spuren. Das soll sich nun ändern: In Kürze wird mit den Sanierungsmaßnahmen begonnen: Aus den denkmalgeschützten Betriebsgebäuden werden moderne Wohnungen – das Depot wird zu neuem Leben erweckt!

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